Crocheted Membrane

Textile Skin

Nicht nur WissenschaftlerInnen haben in den letzten Jahren ihre Aufmerksamkeit auf die unerwartete Vielfalt des menschlichen Ökosystems gerichtet, sondern auch Sonja Bäumel, Designerin, interessieren neue Sichtweisen auf den menschlichen Körper.

Seit 2008, im Zuge ihres Thesis Projekts an der Design Academy Eindhoven : “(In)visible membrane:life on the human body and its design applications”, beschäftigt sich Sonja Bäumel mit einer Neubewertung unserer zweiten Haut, der Kleidung. Sie orientiert sich anstatt an bewährten historischen Formen an dem unsichtbaren Mikrokosmos, der auf unserer Haut bereits existiert. 
Erwarten wir zu wenig von unserer Kleidung? Ihre Funktion ist seit tausenden Jahren weitgehend dieselbe geblieben. Wir bedecken unsere Körper zur Tarnung, zur Dekoration und zum Schutz. Wie könnte ein Kleidungsstück, das durch individuelle Körperbedürfnisse wie Körpertemperatur definiert wird, aussehen? Was wäre wenn wir die Bakterien, die auf unserer Haut ohnedies leben, dazu nutzen könnten unsere Kleidung aufzubauen? Hieraus entwickelte sich 2008 crocheted membrane. Dieses Projekt visualisiert, wie sich die Form und Funktion eines Kleidungsstückes fundamental ändert, wenn man das Augenmerk als Ausgangspunkt auf den individuellen Körper mit dessen Körperbedürfnissen bei 10°C Außentemperatur richtet.

Was wäre wenn sich unsere zweite Schicht an äußere Umstände flexibel, autonom und lokal anpassen könnte? Die entstandenen Fragen brachten Sonja Bäumel 2008 als Laborantin an die Universität von Wageningen in den Niederlanden. Um mehr über das Leben der Bakterien zu lernen bekam sie die Möglichkeit dort ein mikrobiologisches Praktikum zu absolvieren. Nach dieser Einführung in die Grundlagen der Mikrobiologie, begann sie 2009 ihre Experimente mit Hautbakterien und in weiterer Folge mit deren Reaktion auf Textilien.

Nach diesem Schritt entstand der Film (in)visible, dieser zeigt ihre Vision der vier Schichten der (In)visible membrane.

Cartography of the human body 2010/2011 entstand durch die Kollaboration von Sonja Bäumel und Erich Schopf, Bakteriograph. Dieses Projekt beschäftigen sich mit den Hautbakterien von Sonja Bäumel und der in einer speziellen Wiener Umgebung, an einem bestimmten Tag, gesammelten Bakterien. Bäumel und Schopf entwickeln und sprechen eine Sprache zwischen Kunst und Wissenschaft und kreieren so ein chemisch lebendes Ganzkörpergemälde.

Foto: Rene van de Hulst
Foto: Kwok Wing Lam
Foto: Sonja Bäumel